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Abschiednehmen von einem KLB-Pionier

Philipp Roos am 23.04.2021

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In Hauzenberg verabschiedete sich das Katholische Landvolk Passau in einer bewegenden Gottesdienstfeier von seinem langjährigen Landvolkseelsorger Lorenz Rauschecker, der am Karfreitag mit 91 Jahren verstorben war. Sepp Rottenaicher blickte auf bewegende gemeinsame Zeiten zurück.

Wir sol­len nicht trau­ern über unse­ren Lenz Rau­sche­cker, son­dern dank­bar dafür sein, dass wir ihn gehabt haben, ja auch jetzt noch besit­zen, denn wer heim­kehrt zu Gott, ver­bleibt in der Fami­lie der Got­tes­kin­der und ist uns nur vor­aus­ge­gan­gen”, begrüß­te ein­gangs KLB-Kreis­vor­sit­zen­der Johan­nes Schmidt in Abwand­lung eines Zitats des hei­li­gen Hie­ro­ny­mus die Got­tes­dienst­teil­neh­mer, die sich trotz Coro­na in der Pfarr­kir­che St. Vitus ein­ge­fun­den hat­ten. Schon vor­ab bedank­te sich Schmidt bei Dekan Eiber für die unkom­pli­zier­te Abma­chung zum Got­tes­dienst und die Mit­fei­er, bei Land­volk­pfar­rer Alo­is Rei­ter, sowie beim Chor Gren­zen­los” aus Ruder­ting mit sei­ner Lei­te­rin Elke Hoff­mann für die musi­ka­li­sche Umrahmung. 

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Der Vor­sit­zen­de des KLB-Kreis­ver­bands Pas­sau, Johan­nes Schmidt, begrüß­te die Gottesdienstteilnehmer. 

Der ehe­ma­li­ge Land­volk­s­e­kre­tär Josef Rot­ten­ai­cher war aus dem fer­nen Hals­bach nach Hau­zen­berg ange­reist, um den Nach­ruf auf Lorenz Rau­sche­cker zu spre­chen. Es war im Jah­re 1960, als ihm der jun­ge Aus­hilfs­pfar­rer Rau­sche­cker in der Pfar­rei Mar­ga­re­then­berg, ein klei­ner Orts­teil der Gemein­de Burg­kir­chen an der Alz, das ers­te Mal auf­ge­fal­len sei. Schon damals als Kaplan hat Lenz mar­kant und ein­präg­sam gepre­digt”, erin­ner­te sich Rot­ten­ai­cher. Für ihn war Rau­sche­cker ein Pio­nier in mehr­fa­cher Hin­sicht: Zunächst schien Lenz”, wie ihn die KLB-Fami­lie zeit­le­bens nann­te, sei­ner Zeit mit­un­ter weit vor­aus gewe­sen zu sein. Er war offen­bar der ers­te Pfar­rer im Bis­tum Pas­sau, der sich sozu­sa­gen erdreis­te­te, die Wand­lungs­wor­te in deut­scher Spra­che und damit für jeder­mann ver­ständ­lich zu hal­ten. Anno dazu­mal war die­ses Vor­ge­hen viel­leicht kein abso­lu­tes Sakri­leg — wohl aber ein gro­ber lit­ur­gi­scher Schnit­zer. Rau­sche­cker muss For­tu­ne gehabt haben, denn der dama­li­ge Bischof von Pas­sau Dr. Simon Kon­rad Lan­ders­dor­fer (19361968), drück­te ein Auge zu und lies Rau­sche­cker gewäh­ren. Mehr noch: als Wie­der­gut­ma­chung, könn­te man mei­nen, soll­te Rau­sche­cker Anfang der 1960er Jah­re ein bis­tums­weit ein­zig­ar­ti­ges Expe­ri­ment durch­füh­ren und einen Pfarr­ver­band mit meh­re­ren Pfar­rei­en und 160 Mit­ar­bei­tern lei­ten. Bei­na­he intui­tiv erkann­te Rau­sche­cker den Schlüs­sel zum Erfolg: Die Schaf­fung von Teil­ha­be am kirch­li­chen Leben und die Ver­tei­lung der Arbeit auf meh­re­re Schul­tern. Er dele­gier­te und lies vie­le Men­schen mit­ar­bei­ten. Pio­nier war er aber auch als Mit­glied der Würz­bur­ger Syn­ode”, beton­te Rottenaicher. 

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Der ehe­ma­li­ge Land­volk­s­e­kre­tär Josef Rot­ten­ai­cher (Hals­bach) denkt zurück an schö­ne und wert­vol­le gemein­sa­me Zei­ten mit dem Ver­stor­be­nen und plau­der­te dabei sogar ein wenig aus dem Näh­käst­chen — eine amü­san­te Kaf­fee­run­de mit Lorenz Rau­sche­cker und dem bekann­ten Theo­lo­gie-Pro­fes­sor Karl Rah­ner am Ran­de der Würz­bur­ger Syn­ode 1973 blieb ihm beson­ders im Gedächtnis. 

Rau­sche­cker sei ein tief­grün­di­ger Christ und Visio­när gewe­sen, beliebt und bekannt weit über die KLB-Gren­zen. Er schrieb ein Werk­blatt zu den letz­ten Wor­ten Jesu. Er hielt merk-wür­di­ge Vor­trä­ge, legen­där sein Auf­tritt auf der 50-Jahr-Fei­er der KLB, zu wel­cher er der KLB die bis heu­te Gül­tig­keit besit­zen­de bibli­sche Losung”…und das Land steht euch offen” schenk­te. Im Schwei­zer Ort Flüeli, wo es den Bru­der-Klaus-Ver­eh­rer unzäh­li­ge Male hin­zog, hielt er ein­mal ein Auf­se­hen erre­gen­des, bei­na­he pro­phe­ti­sches Refe­rat. Sei­ne Kern­bot­schaft dabei war ganz ein­fach: Die Zeit der Solis­ten in Kir­che und Gesell­schaft ist vor­bei”, beton­te Rot­ten­ai­cher. Das Gegen­teil eines Solis­ten war er selbst: Rau­sche­cker war durch und durch Mann­schafts­spie­ler, der sein Team mit Geis­te­blit­zen, Impul­sen und mensch­li­cher Zuge­wandt­heit seel­sor­ge­risch antrieb und sogar klei­ne Wun­der bewirk­te.

Die Geschich­te vom Wun­der geht so: Der Hals­ba­cher Tau­send­sas­sa und Rot­ten­ai­cher-Inti­mus Mar­tin Winklbau­er (“Hals­ba­cher Wald­büh­ne”) konn­te sei­ner­zeit mit der his­to­ri­schen Figur Bru­der Klaus herz­lich wenig anfan­gen. Ein Mann, der sei­ne Frau und sei­ne zehn Kin­der ver­lässt, als Hei­li­gen ver­eh­ren? Kam für Mar­tin Winklbau­er nicht infra­ge. Dann geschieht etwas, wor­über Rot­ten­ai­cher heu­te noch staunt. Ein KLB-Tross fährt 1986 nach Flüeli, mit an Bord Lorenz Rau­sche­cker und Mar­tin Winklbau­er. In Flüeli muss dann etwas Inspi­rie­ren­des pas­siert sein, was man im Rück­blick nach­ge­ra­de als Bekeh­rung beti­teln könn­te. Denn zurück in Hals­bach kommt Mar­tin Winklbau­er nach ein paar Mona­ten Funk­stil­le — im Jahr 1987 und somit genau 500 Jah­re nach dem Tode Bru­der Klaus´ — plötz­lich auf Rot­ten­ai­cher zu mit den Wor­ten: Das Stück ist fer­tig.” Mit dem Stück meint er das Thea­ter­stück Der Bau­er in der Kut­te”, das spä­ter hun­der­te Male, unter ande­rem auch auf dem Deut­schen Katho­li­ken­tag, auf­ge­führt wer­den wird. Dar­an sieht man, dass Rau­sche­cker in Men­schen etwas aus­lö­sen konn­te. Dass von sei­ner Begeis­te­rung Fun­ken über­sprin­gen konn­ten. Dass frei nach Augus­ti­nus in ihm brann­te, was er in ande­ren ent­zun­den hat. Nicht nur als Seel­sor­ger der KLB, son­dern auch bei der KLJB und der Land­volks­hoch­schu­le Nie­der­al­teich, wo er auf eige­nen Wunsch hin wir­ken woll­te. Die Men­schen vom Land gaben Rau­sche­cker Gebor­gen­heit und Hei­mat. Er dank­te es ihnen mit gro­ßem seel­sor­ge­ri­schem Ein­satz.

Lenz war für mich ein gro­ßes Vor­bild. Er war der leben­de Beweis dafür, dass Glau­ben und Kir­che von unschätz­ba­rem Wert sind in der Welt, in der wir leben”, leg­te Rot­ten­ai­cher abschlie­ßend Zeug­nis über einen Men­schen ab, der wie Jesus Chris­tus am Kar­frei­tag ent­schla­fen ist. Und bis wir uns wie­der sehen, hal­te Gott ihn fest in sei­ner Hand.