In Hauzenberg verabschiedete sich das Katholische Landvolk Passau in einer bewegenden Gottesdienstfeier von seinem langjährigen Landvolkseelsorger Lorenz Rauschecker, der am Karfreitag mit 91 Jahren verstorben war. Sepp Rottenaicher blickte auf bewegende gemeinsame Zeiten zurück.
“Wir sollen nicht trauern über unseren Lenz Rauschecker, sondern dankbar dafür sein, dass wir ihn gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen, denn wer heimkehrt zu Gott, verbleibt in der Familie der Gotteskinder und ist uns nur vorausgegangen”, begrüßte eingangs KLB-Kreisvorsitzender Johannes Schmidt in Abwandlung eines Zitats des heiligen Hieronymus die Gottesdienstteilnehmer, die sich trotz Corona in der Pfarrkirche St. Vitus eingefunden hatten. Schon vorab bedankte sich Schmidt bei Dekan Eiber für die unkomplizierte Abmachung zum Gottesdienst und die Mitfeier, bei Landvolkpfarrer Alois Reiter, sowie beim Chor “Grenzenlos” aus Ruderting mit seiner Leiterin Elke Hoffmann für die musikalische Umrahmung.
Der Vorsitzende des KLB-Kreisverbands Passau, Johannes Schmidt, begrüßte die Gottesdienstteilnehmer.
Der ehemalige Landvolksekretär Josef Rottenaicher war aus dem fernen Halsbach nach Hauzenberg angereist, um den Nachruf auf Lorenz Rauschecker zu sprechen. Es war im Jahre 1960, als ihm der junge Aushilfspfarrer Rauschecker in der Pfarrei Margarethenberg, ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Burgkirchen an der Alz, das erste Mal aufgefallen sei. “Schon damals als Kaplan hat Lenz markant und einprägsam gepredigt”, erinnerte sich Rottenaicher. Für ihn war Rauschecker ein Pionier in mehrfacher Hinsicht: Zunächst schien “Lenz”, wie ihn die KLB-Familie zeitlebens nannte, seiner Zeit mitunter weit voraus gewesen zu sein. Er war offenbar der erste Pfarrer im Bistum Passau, der sich sozusagen erdreistete, die Wandlungsworte in deutscher Sprache und damit für jedermann verständlich zu halten. Anno dazumal war dieses Vorgehen vielleicht kein absolutes Sakrileg — wohl aber ein grober liturgischer Schnitzer. Rauschecker muss Fortune gehabt haben, denn der damalige Bischof von Passau Dr. Simon Konrad Landersdorfer (1936−1968), drückte ein Auge zu und lies Rauschecker gewähren. Mehr noch: als Wiedergutmachung, könnte man meinen, sollte Rauschecker Anfang der 1960er Jahre ein bistumsweit einzigartiges Experiment durchführen und einen Pfarrverband mit mehreren Pfarreien und 160 Mitarbeitern leiten. Beinahe intuitiv erkannte Rauschecker den Schlüssel zum Erfolg: Die Schaffung von Teilhabe am kirchlichen Leben und die Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern. Er delegierte und lies viele Menschen mitarbeiten. “Pionier war er aber auch als Mitglied der Würzburger Synode”, betonte Rottenaicher.
Der ehemalige Landvolksekretär Josef Rottenaicher (Halsbach) denkt zurück an schöne und wertvolle gemeinsame Zeiten mit dem Verstorbenen und plauderte dabei sogar ein wenig aus dem Nähkästchen — eine amüsante Kaffeerunde mit Lorenz Rauschecker und dem bekannten Theologie-Professor Karl Rahner am Rande der Würzburger Synode 1973 blieb ihm besonders im Gedächtnis.
Rauschecker sei ein tiefgründiger Christ und Visionär gewesen, beliebt und bekannt weit über die KLB-Grenzen. Er schrieb ein Werkblatt zu den letzten Worten Jesu. Er hielt merk-würdige Vorträge, legendär sein Auftritt auf der 50-Jahr-Feier der KLB, zu welcher er der KLB die bis heute Gültigkeit besitzende biblische Losung”…und das Land steht euch offen” schenkte. Im Schweizer Ort Flüeli, wo es den Bruder-Klaus-Verehrer unzählige Male hinzog, hielt er einmal ein Aufsehen erregendes, beinahe prophetisches Referat. “Seine Kernbotschaft dabei war ganz einfach: Die Zeit der Solisten in Kirche und Gesellschaft ist vorbei”, betonte Rottenaicher. Das Gegenteil eines Solisten war er selbst: Rauschecker war durch und durch Mannschaftsspieler, der sein Team mit Geisteblitzen, Impulsen und menschlicher Zugewandtheit seelsorgerisch antrieb und sogar kleine Wunder bewirkte.
Die Geschichte vom Wunder geht so: Der Halsbacher Tausendsassa und Rottenaicher-Intimus Martin Winklbauer (“Halsbacher Waldbühne”) konnte seinerzeit mit der historischen Figur Bruder Klaus herzlich wenig anfangen. Ein Mann, der seine Frau und seine zehn Kinder verlässt, als Heiligen verehren? Kam für Martin Winklbauer nicht infrage. Dann geschieht etwas, worüber Rottenaicher heute noch staunt. Ein KLB-Tross fährt 1986 nach Flüeli, mit an Bord Lorenz Rauschecker und Martin Winklbauer. In Flüeli muss dann etwas Inspirierendes passiert sein, was man im Rückblick nachgerade als Bekehrung betiteln könnte. Denn zurück in Halsbach kommt Martin Winklbauer nach ein paar Monaten Funkstille — im Jahr 1987 und somit genau 500 Jahre nach dem Tode Bruder Klaus´ — plötzlich auf Rottenaicher zu mit den Worten: “Das Stück ist fertig.” Mit dem Stück meint er das Theaterstück “Der Bauer in der Kutte”, das später hunderte Male, unter anderem auch auf dem Deutschen Katholikentag, aufgeführt werden wird. Daran sieht man, dass Rauschecker in Menschen etwas auslösen konnte. Dass von seiner Begeisterung Funken überspringen konnten. Dass frei nach Augustinus in ihm brannte, was er in anderen entzunden hat. Nicht nur als Seelsorger der KLB, sondern auch bei der KLJB und der Landvolkshochschule Niederalteich, wo er auf eigenen Wunsch hin wirken wollte. Die Menschen vom Land gaben Rauschecker Geborgenheit und Heimat. Er dankte es ihnen mit großem seelsorgerischem Einsatz.
“Lenz war für mich ein großes Vorbild. Er war der lebende Beweis dafür, dass Glauben und Kirche von unschätzbarem Wert sind in der Welt, in der wir leben”, legte Rottenaicher abschließend Zeugnis über einen Menschen ab, der wie Jesus Christus am Karfreitag entschlafen ist. Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott ihn fest in seiner Hand.



