Erste Station war der „Biohof Geinberg“ in Moosham, Geinberg (Oberösterreich). Dort produzieren die Firmen Steiner und Perlinger seit 2022 mit 120 Mitarbeitenden auf 11,8 ha Gewächshausfläche ökozertifiziert Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen für den regionalen Markt. Hauptvertriebspartner ist REWE – Österreich.
Hauptgrund für die Standortwahl des Betriebes war die Geothermie-Anlage im nahegelegenen Geinberg, die den Betrieb mit Wärme versorgt und so eine Unterglas-Ernte von Mitte April bis Mitte November ermöglicht. Der hohe Energiebedarf des Gewächshausanbaus außerhalb der Saison ist nach Auskunft des Vertriebsleiters Richard Kinzl, der die Gruppe führte, ein entscheidender Faktor. So benötigt beispielsweise ein Kilo Tomaten, außerhalb der Saison erzeugt, die Energie, die einem Liter Öl entspricht. Der Betrieb in Geinberg betreibt „geschützten Anbau“ d.h. die Gemüsekulturen sich hermetisch von der Umwelt abgeschirmt. Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2- Gehalt der Atmosphäre, Sonneneinstrahlung usw. werden gezielt gesteuert, um den Pflanzen optimale Bedingungen zu bieten und Krankheitserreger und Schädlinge fernzuhalten. Deshalb haben Besucher aus hygienischen Gründen auch keinen direkten Zugang zu den Kulturen und können sie nur „hinter Glas“ betrachten. Die Gewächshäuser zählen nach Aussagen des Vertriebsleiters, zu den modernsten in Europa. Höchste Hektarerträge sind das Betriebsziel, wobei sie etwa 30% niedriger liegen als in der „konventionellen Variante“, die die Firma Steiner im oberbayrischen Kirchweihdach in großem Stil betreibt. Im angegliederten Hofladen werden sowohl die eigenen Erzeugnisse als auch die Produkte von ca. 40 Selbstvermarktern aus der näheren Umgebung angeboten. Dieses Vermarktungskonzept wurde schon überregional ausgezeichnet. Mit viel Kenntnis im Detail konnte Vertriebsleiter Kinzl auf die Fragen der KLBler eingehen.
Zweite Station der Exkursion war die Zweigstelle der Landesanstalt für Landwirtschaft in Ruhstorf.
Hier widmet man sich schwerpunktmäßig den Themen „Agrarökosysteme“, „Digitalisierung“ und „Diversifizierung“. Mitarbeiter Friedrich Nüßlein gab zunächst einen Überblick über die Einrichtung, die seit 2018 im Aufbau ist und schließlich einmal 200 Mitarbeitende haben soll.
Die Exkursionsgruppe erhielt dann exemplarisch Einblick in vier Forschungsprojekte, jeweils dargestellt von Projektmitarbeitern, die am Standort Ruhstorf bearbeitet werden:
- Im Projekt Future Crops untersucht man landwirtschaftliche Kulturarten aus anderen Erdteilen, die im Zuge der Erderwärmung für den hiesigen Anbau interessant sein könnten. Konkret werden hier die wärmeliebende Kulturarten Erdnuss, Sesam, Schwarzkümmel, Augenbohne und Trockenreis auf ihre Anbaueignung unter unseren Verhältnissen getestet und entsprechende Sorten- und Anbauempfehlungen erarbeitet.
- Im Projekt EARL, versucht man auf einem 6 Hektar großen einem Erosions- und Abflussmessfeld ab 2026 über einen langen Zeitraum (mindestens 10 Jahre) Daten über das Erosionsverhalten von drei verschiedenen Ackerbausystemen („Hochertrag“ / „Integrierter Pflanzenbau“ /„Öko- Landbau“) zu gewinnen. Es werden hierbei die Boden- und Stoffausträge der jeweiligen Systeme systematisch erfasst. Ziel ist es Handlungsempfehlungen für die Landwirtschaft im Zusammenhang mit zunehmenden Extremwetterereignissen zu geben.
- Das Projekt FinAL beschäftigt sich mit der Förderung der Insektenvielfalt in Agrarlandschaften. 30 Landwirte aus dem Bereich Bad Griesbach erproben unter wissenschaftlicher Begleitung verschiedene Maßnahmen zur Förderung von Insekten. Die Ergebnisse sollen wiederum in Empfehlungen für die Praxis einfließen.
- Im Bereich Digitalisierung wurde der Teilbereich der Robotik vorgestellt. Die Teilnehmer konnten sich anhand zweier unterschiedlicher Feldroboter über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik informieren. Der Sä- und Hackroboter bietet schon jetzt große Möglichkeiten Handarbeit in arbeitsintensiven Kulturen (Gemüsebau, Zuckerrübenanbau …) zu ersetzen (mehrere Dutzend dieser Geräte befinden sich bereits im praktischen Einsatz). Der zu besichtigende autonom fahrende Raupenschlepper kann eigenständig und ohne Zeitbegrenzung die Grundbodenbearbeitung auf großen Flächen erledigen.
In der abschließenden Besprechung der Exkursion wurde mehrfach betont, dass der Tag interessante Einblicke in wichtige Zukunftsthemen der Landwirtschaft geboten hätte.
Die Forschungseinrichtung in Ruhstorf würde sicher zukünftig wichtige Erkenntnisse auch für die Praxis liefern. Der „Biohof Geinberg“ als mögliches Landbausystem mit Zukunft habe manche Vorstellung von ökologischer Landwirtschaft relativiert.
Mit dem Dank an den ausrichtenden KLB-Diözesanverband Passau endete die Exkursion.
Text: Alfred Hainthaler



