Landwirtschaftliche Studienfahrt der KLB Bayern in die Diözese Passau

Marie Pfoser am 04.08.2025

Ers­te Sta­ti­on war der ​„Bio­hof Gein­berg“ in Moos­ham, Gein­berg (Ober­ös­ter­reich). Dort pro­du­zie­ren die Fir­men Stei­ner und Per­lin­ger seit 2022 mit 120 Mit­ar­bei­ten­den auf 11,8 ha Gewächs­haus­flä­che öko­zer­ti­fi­ziert Toma­ten, Gur­ken, Papri­ka und Auber­gi­nen für den regio­na­len Markt. Haupt­ver­triebs­part­ner ist REWE – Österreich.

Haupt­grund für die Stand­ort­wahl des Betrie­bes war die Geo­ther­mie-Anla­ge im nahe­ge­le­ge­nen Gein­berg, die den Betrieb mit Wär­me ver­sorgt und so eine Unter­glas-Ern­te von Mit­te April bis Mit­te Novem­ber ermög­licht. Der hohe Ener­gie­be­darf des Gewächs­haus­an­baus außer­halb der Sai­son ist nach Aus­kunft des Ver­triebs­lei­ters Richard Kinzl, der die Grup­pe führ­te, ein ent­schei­den­der Fak­tor. So benö­tigt bei­spiels­wei­se ein Kilo Toma­ten, außer­halb der Sai­son erzeugt, die Ener­gie, die einem Liter Öl ent­spricht. Der Betrieb in Gein­berg betreibt ​„geschütz­ten Anbau“ d.h. die Gemü­se­kul­tu­ren sich her­me­tisch von der Umwelt abge­schirmt. Para­me­ter wie Tem­pe­ra­tur, Luft­feuch­tig­keit, CO2- Gehalt der Atmo­sphä­re, Son­nen­ein­strah­lung usw. wer­den gezielt gesteu­ert, um den Pflan­zen opti­ma­le Bedin­gun­gen zu bie­ten und Krank­heits­er­re­ger und Schäd­lin­ge fern­zu­hal­ten. Des­halb haben Besu­cher aus hygie­ni­schen Grün­den auch kei­nen direk­ten Zugang zu den Kul­tu­ren und kön­nen sie nur ​„hin­ter Glas“ betrach­ten. Die Gewächs­häu­ser zäh­len nach Aus­sa­gen des Ver­triebs­lei­ters, zu den moderns­ten in Euro­pa. Höchs­te Hekt­ar­er­trä­ge sind das Betriebs­ziel, wobei sie etwa 30% nied­ri­ger lie­gen als in der ​„kon­ven­tio­nel­len Vari­an­te“, die die Fir­ma Stei­ner im ober­bay­ri­schen Kirch­weih­dach in gro­ßem Stil betreibt. Im ange­glie­der­ten Hof­la­den wer­den sowohl die eige­nen Erzeug­nis­se als auch die Pro­duk­te von ca. 40 Selbst­ver­mark­tern aus der nähe­ren Umge­bung ange­bo­ten. Die­ses Ver­mark­tungs­kon­zept wur­de schon über­re­gio­nal aus­ge­zeich­net. Mit viel Kennt­nis im Detail konn­te Ver­triebs­lei­ter Kinzl auf die Fra­gen der KLB­ler eingehen.

Zwei­te Sta­ti­on der Exkur­si­on war die Zweig­stel­le der Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft in Ruhstorf.

Hier wid­met man sich schwer­punkt­mä­ßig den The­men ​„Agrar­öko­sys­te­me“, ​„Digi­ta­li­sie­rung“ und ​„Diver­si­fi­zie­rung“. Mit­ar­bei­ter Fried­rich Nüß­lein gab zunächst einen Über­blick über die Ein­rich­tung, die seit 2018 im Auf­bau ist und schließ­lich ein­mal 200 Mit­ar­bei­ten­de haben soll.

Die Exkur­si­ons­grup­pe erhielt dann exem­pla­risch Ein­blick in vier For­schungs­pro­jek­te, jeweils dar­ge­stellt von Pro­jekt­mit­ar­bei­tern, die am Stand­ort Ruhstorf bear­bei­tet werden:

  • Im Pro­jekt Future Crops unter­sucht man land­wirt­schaft­li­che Kul­tur­ar­ten aus ande­ren Erd­tei­len, die im Zuge der Erd­er­wär­mung für den hie­si­gen Anbau inter­es­sant sein könn­ten. Kon­kret wer­den hier die wär­me­lie­ben­de Kul­tur­ar­ten Erd­nuss, Sesam, Schwarz­küm­mel, Augen­boh­ne und Tro­cken­reis auf ihre Anbau­eig­nung unter unse­ren Ver­hält­nis­sen getes­tet und ent­spre­chen­de Sor­ten- und Anbau­emp­feh­lun­gen erar­bei­tet.
     
  • Im Pro­jekt EARL, ver­sucht man auf einem 6 Hekt­ar gro­ßen einem Ero­si­ons- und Abfluss­mess­feld ab 2026 über einen lan­gen Zeit­raum (min­des­tens 10 Jah­re) Daten über das Ero­si­ons­ver­hal­ten von drei ver­schie­de­nen Acker­bau­sys­te­men („Hoch­er­trag“ / ​„Inte­grier­ter Pflan­zen­bau“ /„Öko- Land­bau“) zu gewin­nen. Es wer­den hier­bei die Boden- und Stoff­aus­trä­ge der jewei­li­gen Sys­te­me sys­te­ma­tisch erfasst. Ziel ist es Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für die Land­wirt­schaft im Zusam­men­hang mit zuneh­men­den Extrem­wet­ter­er­eig­nis­sen zu geben.
     
  • Das Pro­jekt FinAL beschäf­tigt sich mit der För­de­rung der Insek­ten­viel­falt in Agrar­land­schaf­ten. 30 Land­wir­te aus dem Bereich Bad Gries­bach erpro­ben unter wis­sen­schaft­li­cher Beglei­tung ver­schie­de­ne Maß­nah­men zur För­de­rung von Insek­ten. Die Ergeb­nis­se sol­len wie­der­um in Emp­feh­lun­gen für die Pra­xis ein­flie­ßen.
     
  • Im Bereich Digi­ta­li­sie­rung wur­de der Teil­be­reich der Robo­tik vor­ge­stellt. Die Teil­neh­mer konn­ten sich anhand zwei­er unter­schied­li­cher Feld­ro­bo­ter über die Mög­lich­kei­ten und Gren­zen die­ser Tech­nik infor­mie­ren. Der Sä- und Hack­ro­bo­ter bie­tet schon jetzt gro­ße Mög­lich­kei­ten Hand­ar­beit in arbeits­in­ten­si­ven Kul­tu­ren (Gemü­se­bau, Zucker­rü­ben­an­bau …) zu erset­zen (meh­re­re Dut­zend die­ser Gerä­te befin­den sich bereits im prak­ti­schen Ein­satz). Der zu besich­ti­gen­de auto­nom fah­ren­de Rau­pen­schlep­per kann eigen­stän­dig und ohne Zeit­be­gren­zung die Grund­bo­den­be­ar­bei­tung auf gro­ßen Flä­chen erledigen.

In der abschlie­ßen­den Bespre­chung der Exkur­si­on wur­de mehr­fach betont, dass der Tag inter­es­san­te Ein­bli­cke in wich­ti­ge Zukunfts­the­men der Land­wirt­schaft gebo­ten hätte.

Die For­schungs­ein­rich­tung in Ruhstorf wür­de sicher zukünf­tig wich­ti­ge Erkennt­nis­se auch für die Pra­xis lie­fern. Der ​„Bio­hof Gein­berg“ als mög­li­ches Land­bau­sys­tem mit Zukunft habe man­che Vor­stel­lung von öko­lo­gi­scher Land­wirt­schaft relativiert.

Mit dem Dank an den aus­rich­ten­den KLB-Diö­ze­san­ver­band Pas­sau ende­te die Exkursion.

Text: Alfred Hainthaler

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