Mit dem Jahr 2025 sind gleich zwei Jubiläen verbunden – zum einen 800 Jahre Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi, zum anderen 10 Jahre Enzyklika „Laudato si“ des verstorbenen Papst Franziskus. Beide Werke haben Gottes Schöpfung als Grundlage menschlichen Lebens zum Inhalt.
Anlässlich dieses Gedenkjahres unternahm die KLB Passau eine Pilgerreise in die Stadt des heiligen Franziskus nach Assisi in Umbrien. Die mögliche Anzahl der Teilnehmenden war begrenzt, da man das franziskanische Leben in einer kleinen Gruppe auch leben wollte. So erfolgte bereits die Anfahrt nicht wie üblich mit einem großen Reisebus, sondern mit dem Nachtzug bis Florenz und anschließend mit Kleinbussen nach Assisi.
Vor der Ankunft an ihrem Hauptziel besuchten die 15 Pilgerinnen und Pilger im Alter von 5-74 Jahren jedoch noch „La Verna“ – ein malerisch an einem Berghang auf über 1100 Metern gelegenes Kloster, wo Franziskus die Stigmata (Wundmale Christi) empfangen haben soll. Der vor allem bei italienischen Gläubigen bekannte Wallfahrtsort beeindruckte auf jeden Fall durch seine Stille und die Schönheit der Natur, die sich nicht nur in einem weitläufigen Ausblick auf die Wälder der Toscana, sondern auch in einem „sasso spico“ genannten Naturwunder, einem überhängenden und zwischen zwei andere eingezwickten Felsen zeigt, an den sich Franziskus gerne zum Gebet zurückgezogen haben soll.
Am Abend erreichte die Gruppe schließlich ihr „agriturismo“ in Rivotorto bei Assisi. Diese Unterkunft ist ein zu Ferienwohnungen umgebauter Gutshof mit Pool, bei dem man sich Tomaten und Kräuter aus dem Gemüsegarten zur eigenen Verwendung holen darf. Ein Sprung ins kühle Nass ließ einen die 1000 km weite Anfahrt vergessen.
Am nächsten Tag wanderte die Gruppe eine halbe Stunde zwischen Olivenhainen nach San Damiano, wo Franziskus in der Vision „Baue meine Kirche wieder auf“ seine Berufung empfing und sich statt einer Kaufmannskarriere einem Leben in Einfachheit widmete. Der Besuch des spartanisch eingerichteten Klosters und des dafür liebevoll gestalteten Kreuzgangs vermittelte den KLB’lern aus Passau bereits einen Eindruck der beiden Pole, zwischen denen sich der Heilige bewegte: einerseits der radikale Verzicht auf Reichtum und andererseit seine Fröhlichkeit und Freude an der Schöpfung. Auch die von Pastoralreferentin Eva Reif im Anschluss gehaltene Andacht zum Thema „Was ist Kirche für mich?“ nahm darauf Bezug und ließ die Teilnehmenden mit ihren persönlichen Erfahrungen zu Wort kommen.
Die folgenden Tage widmeten sich weiteren Stationen im Leben des Heiligen (Taufstein, Elternhaus, Wirken als Ordensgründer, Verbundenheit mit der Hl. Klara, Sterbeort) und führten die Gruppe in die beeindruckenden Wahrzeichen Assisis wie Santa Chiara, San Rufino, Chiesa Nuova oder Santa Maria degli Angeli. Geführt wurden sie dabei von Gunther Kölbl. Dazwischen war jedoch immer auch genügend Zeit, Assisi auf eigene Faust zu erkunden, sich treiben zu lassen, für sich zu sein oder von der Unterkunft aus das fantastische Panorama der umbrischen Stadt auf sich wirken zu lassen.
Natürlich durfte auch das Highlight, ein Besuch in der dreifach übereinander gebauten Basilika San Francesco nicht fehlen. Durch diese besondere Kirche, in der der Heilige Franziskus begraben liegt, begleitete die Gruppe der Franziskanermönch Br. Thomas Freidel. Am Abend konnte man diesen Ort noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten, nämlich von der Rocca Assisis aus, der alten Festung der Stadt. Dort genoss die Gruppe den Sonnenuntergang bei einem Picknick und mit auf der Gitarre begleiteten Liedern, wofür sie von anderen Besuchern viel Lob erhielten und mit denen sie dadurch leicht ins Gespräch kamen. Ein Paar der Gruppe feierte so auch seinen 40. Hochzeitstag.
Am Ausflugstag hatten die KLB’ler aus Passau die Möglicheit, Sehenswürdigkeiten im Umkreis zu erkunden. So führte sie die erste Station ins nur 5 km entfernte Spello, wo man bei Bauarbeiten bestens erhaltene, großflächige Mosaike fand. In der in duftenden Oreganowiesen gelegenen römischen Ausgrabungsstätte Carsulae besuchten die Ausflügler eine romanische Kirche oder gingen auf dem Originalpflaster der römischen Via Flaminia, während vor allem die Kinder in den Ruinen der antiken Stadt viel zu entdecken hatten.
Anschließend bot der Anblick der Cascata della Marmore einen erfrischenden Anblick. Es handelt sich dabei um den weltweit größten künstlichen Wasserfall mit 165 Metern, der zu bestimmten Tageszeiten an- und wieder ausgeschaltet wird. Die Eindrück dieses besonderen Schauspiels von „Schwester Wasser“ ließ man schließlich am Abend im Weindorf Montefalco bei einem Glas Sagrantino Revue passieren.
Am letzten Tag in Assisi feierten die Pilgerinnen und Pilger eine Andacht in dem in einem uralten Steineichenwald gelegenen Kloster Carceri, in das sich auch Franziskus gerne zurückzog. Mit den Kleinbussen ging es schließlich noch auf den Monte Subasio, der mit seinen 1300 Metern und den natürlichen Bergwiesen heimatliche Gefühle aufkommen ließ. Auf der Rückfahrt nach Florenz besuchte die Gruppe auch noch das UNESCO-Weltkulturerbe der Kirche von Rivotorto, das von der Unterkunft nur 200 Meter entfernt lag und die sog. „Heilige Hütte“, den ersten Wohnort der von Franziskus gegründeten Bruderschaft birgt. Ein Stopp beim nahen Commonwealth-Soldatenfriedhofs aus dem 2. Weltkrieg erinnerte daran, wie umkämpft die Gegend um Assisi damals war und welche – meist sehr jungen - Opfer die Befreiung vom Nationalsozialismus forderte. In Florenz schließlich nutzten einige noch die Zeit zum Besuch des weltberühmten Domplatzes, bevor es mit dem Nachtzug wieder nach Hause ging.
Wer also geglaubt hatte, dass Assisi nur etwas für einen Tag auf der Rückreise von Rom sei, wurde eines Besseren belehrt. In den „Sonnengesang“ einzutauchen und ihn auf sich wirken zu lassen, ist durchaus auch mehrere Tage des Pilgerns in Asissi und Umgebung wert!
Text: Maria Kölbl



