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"Ich mache gerne weiter"

Philipp Roos am 12.02.2021

Felderbegehung juli 2020 tk 45 info-icon-20px Biokreis e.V.

Seit einem Jahr ist Walter Dankesreiter, Bio-Landwirt aus Otterskirchen, Diözesanvorsitzender des Passauer Landvolks. Im Interview steht er Rede und Antwort.

Wal­ter, du fei­erst in die­sen Tagen dein Ein­jäh­ri­ges als Diö­ze­san­vor­sit­zen­der der KLB Pas­sau. Wel­che Jah­res­bi­lanz ziehst du?

Ich möch­te sagen, dass die KLB eine ganz tol­le Ver­ei­ni­gung ist. Wir sind eine gute Gemein­schaft. Wir sind Chris­ten, die auf dem Land leben und uns für ganz unter­schied­li­che Din­ge ein­set­zen. Ich habe aber auch Momen­te erlebt, in denen ich mich ein wenig über­for­dert gefühlt habe. Das Amt als Diö­ze­san­vor­sit­zen­der ist schon eine Herausforderung. 

Was sind die größ­ten Herausforderungen?

Es ist unwahr­schein­lich wich­tig, dass die KLB als Teil der Kir­che von Pas­sau eine gute Zukunft hat. Dafür müs­sen wir uns als Ver­band immer wie­der neu erfin­den, was für uns Ehren­amt­li­che viel Zeit und Ener­gie kos­tet. Aber am Ende ist es eine gut ange­leg­te Ener­gie, weil wirk­lich so wert­vol­le Din­ge in der KLB pas­sie­ren. Ich den­ke an die Arbeits­krei­se Land­wirt­schaft und Eine Welt“ mit dem Seneg­al­pro­jekt. Ich den­ke aber auch an unse­ren gesell­schafts­po­li­ti­schen Ein­satz. Wo sich die Kir­che manch­mal schwer­tut, eine kla­re Posi­ti­on ein­zu­neh­men, tun wir uns als Ver­band deut­lich ein­fa­cher, auch ein­mal kla­re Kan­te zu zei­gen. Wir sind in den Sinn ein Ver­bin­dungs­glied zwi­schen Kir­che, Poli­tik und Gesellschaft. 

Du sprichst den AK Land­wirt­schaft an, wor­in du dich auch enga­gierst. Wel­che Punk­te sind dir denn als akti­ver Land­wirt am wichtigsten? 

Die letz­ten 40 Jah­re hat die Land­wirt­schaft stän­dig abge­baut, was die Anzahl der Bau­ern aber auch die gesell­schaft­li­che Wert­schät­zung angeht. Das muss man ver­än­dern. Der Beruf des Land­wirts ist der­ma­ßen wich­tig. Da muss die KLB mit­hel­fen, dass sich hier ein Wan­del einstellt. 

Was steht im AK Land­wirt­schaft momen­tan noch auf der Tagesordnung? 

Wir ent­wi­ckeln gera­de eine Mit­glie­der­be­fra­gung. Im März wol­len wir die­se an unse­re Mit­glie­der verschicken. 

Du selbst hast dich der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft verschrieben. 

Rich­tig, weil ich der Mei­nung bin, dass die Land­wirt­schaft nahe am Natur­kreis­lauf wirt­schaf­ten muss, das sagt einem schon der gesun­de Men­schen­ver­stand. Des­we­gen enga­gie­re mich auch in der KLB, weil sie gemäß Sat­zung für eine nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft ein­tritt. Eine nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft ist für mich ökologisch. 

Im ver­gan­ge­nen Jahr erschien im Bis­tums­blatt ein Por­trät über dich, in der du dich für deut­lich mehr Tier­wohl aus­ge­spro­chen hast. 

Das The­ma liegt mir ein­fach am Her­zen. In der PNP habe ich neu­lich einen Arti­kel über Zucht­vieh­trans­por­te nach Nord­afri­ka gele­sen. Es wird gesagt, dass die Klein­bau­ern aus­ge­bremst wer­den, wenn die Trans­por­te aus­blei­ben. Das ist in mei­nen Augen ein schein­hei­li­ges Argu­ment. Vor allem geht es näm­lich um die Stär­kung der Hoch­leis­tungs­be­trie­be, die mit Embryo­trans­fer und Hor­mon­be­hand­lun­gen von Kühen arbeiten. 

Wie funk­tio­niert eine sol­che Hormonbehandlung? 

Bei einer Kuh mit hoher Milch­leis­tung oder ande­ren inter­es­san­ten Zucht­merk­ma­len wird durch eine Hor­mon­be­hand­lung eine
gleich­zei­ti­ge Rei­fung von meh­re­ren Eizel­len her­vor­ge­ru­fen. Sie­ben Tage nach der Befruch­tung wer­den die ent­stan­de­nen Embryo­nen aus­ge­spült und anschlie­ßend ande­ren Kühen mit gerin­ge­ren Zucht­wer­ten ein­ge­setzt. Davon müs­sen wir weg­kom­men. Das Sys­tem an sich ist total falsch. Da muss die Land­wirt­schaft ein­fach ein­mal sagen: Das tun wir nicht mehr. Das braucht es nicht. 

Was waren denn die schöns­ten Momen­te im letz­ten Jahr? 

Toll war der Besuch des neu­en KLB-Geschäfts­füh­rers auf unse­rem Hof in Otters­kir­chen. Gelun­gen war auch die Ver­ab­schie­dungs­fei­er für die KLB­ler Wal­ter Eber, Mari­an­ne Tutsch, Susan­na Kun­gel und Sepp Gru­ber am Wei­din­ger Hof in Hunds­win­kel. Und die Teil­nah­me des Diö­ze­san­vor­stands beim Fri­days for Future Kli­ma­st­reik möch­te ich auch noch nen­nen. Es hat zwar an die­sem Tag geschüt­tet wie aus Kübeln, aber Spaß hat es trotz­dem gemacht (lacht). Ich hät­te mir noch mehr schö­ne gemein­sa­me Momen­te gewünscht, aber Coro­na hat uns ganz ein­fach ausgebremst. 

Im Juni fin­det die Diö­ze­san­ver­samm­lung der KLB statt. Der Diö­ze­san­vor­stand hofft, dass du wie­der als Vor­sit­zen­der antre­ten wirst. 

Wenn ein Jün­ge­rer den Pos­ten haben möch­te, ste­he ich nicht im Weg (lacht). Aber im Ernst: Ich mache ger­ne wei­ter. Das Tan­dem mit Fran­zis­ka Rau­sche­cker (Anm.: Die Diö­ze­san­vor­sit­zen­de der KLB Pas­sau) ist sehr gut. Wir uns ergän­zen uns in mei­nen Augen ganz geschickt. Sie steht mit ihrer Per­son für die Unter­stüt­zung von Ehe und Fami­lie, ich selbst als Bau­er für die nach­hal­ti­ge Landwirtschaft. 

Fran­zis­ka Rau­sche­cker wird ja bekannt­lich ihr Amt zur nächs­ten Diö­ze­san­ver­samm­lung nie­der­le­gen, nach 20 Jah­ren als Diözesanvorsitzende.

Da geht eine Ära zu Ende. Wir sind Fran­zis­ka unend­lich dank­bar für alles. Ich hof­fe, dass wir eine gute Nach­fol­ge­rin für sie fin­den. Der Wahl­aus­schuss, der damit beauf­tragt ist, ist schon flei­ßig auf Kandidatensuche.