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KLB fordert gentechnikfreie Futtertröge

Philipp Roos am 14.09.2020

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Die KLB Bayern hat zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und weiteren unterstützenden Verbänden die Petition Qualitätssiegel „Geprüfte Qualität-Bayern“ gestartet. Jetzt mitmachen bei der Online-Petition!

Die KLB Bay­ern hat zusam­men mit der Arbeits­ge­mein­schaft Bäu­er­li­che Land­wirt­schaft und wei­te­ren unter­stüt­zen­den Ver­bän­den die Peti­ti­on Qua­li­täts­sie­gel Geprüf­te Qua­li­tät-Bay­ern“ gestar­tet. Es sol­len zukünf­tig nur mehr hof­ei­ge­ne und euro­päi­sche, gen­tech­nik­freie Fut­ter­mit­tel ein­ge­setzt und Tier­schutz­kri­te­ri­en gestärkt wer­den — Gen­tech­nik hat in baye­ri­schen Fut­ter­trö­gen nichts ver­lo­ren! Der Arbeits­kreis Land­wirt­schaft der KLB im Bis­tum Pas­sau hat­te schon 2019 in sei­nem Posi­ti­ons­pa­pier zu Land­wirt­schaft und Kli­ma­schutz einen Aus­stieg aus dem Import von außer­eu­ro­päi­schen Fut­ter­mit­teln gefor­dert. Kein Wun­der also, dass die KLB Pas­sau vor­lie­gen­de Peti­ti­on volls­ter Über­zeu­gung unter­stützt und zu reger Teil­nah­me und Wei­ter­ver­brei­tung der Infor­ma­tio­nen auf­ruft. Erklär­tes Sam­mel­ziel sind 25.000 Unter­schrif­ten. Posi­tiv: Es dür­fen auch Men­schen aus ande­ren Bun­des­län­dern unter­schrei­ben. Die Samm­lung der Unter­schrif­ten erfolgt online über das Por­tal open­pe­ti­ti­on, sie­he nach­fol­gen­der Link. Dort kön­nen auch Unter­schrif­ten­lis­ten her­un­ter­ge­la­den und aus­ge­druckt wer­den: https://​www​.open​pe​ti​ti​on​.de/​p​e​t​i​t​i​o​n​/​o​n​l​i​n​e​/​q​u​a​l​i​t​a​e​t​-​a​u​s​-​b​a​y​e​r​n​-​f​u​t​t​e​r​m​i​t​t​e​l​-​a​u​s​-​e​u​r​o​p​a​-​u​n​d​-​m​e​h​r​-​t​i​e​r​s​chutz

Die Katho­li­sche Land­volk­be­we­gung for­dert von der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung und dem Land­tag eine Aktua­li­sie­rung der Qua­li­täts­be­stim­mun­gen des staat­li­chen Sie­gels für den tie­ri­schen Produktbereich. 

Fut­ter­mit­tel­ein­satz: mind. 50 % der Fut­ter­mit­tel müs­sen vom eige­nen Betrieb stam­men; bis zu 50 % der Fut­ter­mit­tel kön­nen euro­päi­schen Ursprungs aus EU-Län­dern sein. Bei Soja­pro­duk­ten müs­sen die­se der Zer­ti­fi­zie­rung von Donauso­ja“ ent­spre­chen. Fut­ter­mit­tel aus Über­see dür­fen nicht ein­ge­setzt wer­den. Die Qua­li­fi­zie­rung ist umzu­set­zen ab dem 01.01.2022.

Gen­tech­nik­frei: Die mit GQB aus­ge­lob­ten Pro­duk­te sind gen­tech­nik­frei, der Ein­satz von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Fut­ter­mit­teln ist nicht zuläs­sig. Die Qua­li­fi­zie­rung ist umzu­set­zen ab dem 01.01.2022.

Tier­ge­rech­ter: Die Leis­tungs­in­hal­te (Hal­tungs­be­din­gun­gen, Trans­port­zei­ten für Schlacht­tie­re, Tier­zu­käu­fe und ‑Ver­käu­fe) sind an die Anfor­de­run­gen an eine tier­ge­rech­te Nutz­tier­hal­tung anzu­pas­sen. Die Kri­te­ri­en müs­sen deut­li­cher als bis­her über dem gesetz­li­chen Min­dest­stan­dard lie­gen (mind. Stu­fe 1 des staat­li­chen Tier­wohl­kenn­zei­chens). Die Qua­li­fi­zie­rung ist umzu­set­zen ab dem 01.01.2023.

Fut­ter­mit­tel­im­por­te ste­hen seit lan­gem in der Kri­tik, weil sie in den Anbau­län­dern zu Umwelt­pro­ble­men füh­ren, agrar­in­dus­tri­el­le Struk­tu­ren, Nah­rungs­mit­tel­kon­kur­renz und sozia­le Kon­flik­te för­dern. Sie ver­ur­sa­chen groß­flä­chi­ge Land­nut­zungs­än­de­run­gen und den Ver­lust wert­vol­ler Wald- und Savan­nen­flä­chen (wie z.B. dem für das Welt­kli­ma so wich­ti­gen Regen­wald). Hier­zu­lan­de füh­ren sie zu Nähr­stoff­über­schüs­sen (v.a. Gül­le) und gro­ßen Tier­be­stän­den, die bei einer flä­chen­ge­bun­de­nen Tier­hal­tung nicht mög­lich wären. Das Kri­te­ri­um 50 % der Fut­ter­mit­tel vom eige­nen Betrieb“ zielt auf die­se Flä­chen­bin­dung ab.

Die Coro­na-Pan­de­mie hat uns unser aller Ver­letz­lich­keit deut­lich vor Augen geführt. Die Hin­wei­se ver­dich­ten sich, dass Covid-19 und wei­te­re gefähr­li­che Infek­ti­ons­er­kran­kun­gen durch Viren von Wild­tie­ren auf den Men­schen über­tra­gen wer­den. Die Art, wie wir glo­bal Land­wirt­schaft betrei­ben und Raub­bau an natür­li­chen Habi­ta­ten betrei­ben, spielt hier eine zen­tra­le Rol­le. Indem wir Lebens­räu­me von Tie­ren zer­stö­ren, wird die Bar­rie­re zwi­schen Men­schen und Tie­ren, die die Viren in sich tra­gen, immer gerin­ger. Damit steigt die Wahr­schein­lich­keit, dass sich ein Virus auf den Men­schen über­trägt. Bra­si­li­en etwa wird sei­ner Ver­ant­wor­tung für den Schutz des Regen­wal­des nicht gerecht, ver­bie­tet sich Ein­mi­schun­gen und hat Abhol­zun­gen und Brand­ro­dun­gen mas­siv forciert.

Das Qua­li­täts- und Her­kunfts­si­che­rungs­sys­tem Geprüf­te Qua­li­tät – Bay­ern“ steht für regio­na­le Her­kunft und zusätz­li­che Kon­trol­len. Für die ein­ge­setz­ten Fut­ter­mit­tel gibt es nur gering­fü­gig über den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen lie­gen­de Vor­ga­ben zur Qua­li­täts­si­che­rung, aber kei­ner­lei Vor­ga­ben für die Her­kunft. So kann es sich auch um gen­tech­nisch ver­än­der­tes Soja aus Über­see han­deln, da ca. 80 % des Sojas gen­tech­nisch ver­än­dert sind. Dies ist mit dem Regio­na­li­täts- und Qua­li­täts­prin­zip des Sie­gels nicht vereinbar.

In Bay­ern wur­den bereits mehr als 300.000 Ton­nen durch hei­mi­sche Fut­ter­mit­tel ersetzt, u.a. durch die Eiwei­ß­in­itia­ti­ve des Agrar­mi­nis­te­ri­ums seit 2011. Trotz­dem wer­den jähr­lich noch ca. 500.000 Ton­nen impor­tiert. Auch immer mehr baye­ri­sche Mol­ke­rei­en ver­bie­ten den Bezug von Fut­ter­mit­teln aus Über­see für ihre Lie­fe­ran­ten. Mit hei­mi­schen Legu­mi­no­sen, Neben­pro­duk­ten der Ölpflan­zen- und Getrei­de­ver­ar­bei­tung sowie einer hohen Grund­fut­ter­leis­tung aus Grün­land kann der Bedarf gedeckt wer­den. Eine kon­se­quen­te Ver­wen­dung von regio­na­len und euro­päi­schen Fut­ter­mit­teln leis­tet einen wich­ti­gen Bei­trag zum Schutz von bis­her unbe­rühr­ten Lebensräumen.

Im Bereich der tier­ge­rech­ten Nutz­tier­hal­tung soll mit der Peti­ti­on ein Bei­trag geleis­tet wer­den zum Umbau der Tier­hal­tung hin zur flä­chen­ge­bun­de­nen, tier­ge­rech­ten Nutz­tier­hal­tung. Bei der Umset­zung der Emp­feh­lun­gen der Bor­chert-Kom­mis­si­on zur Zukunft der Nutz­tier­hal­tung und der Ein­füh­rung der staat­li­chen Tier­wohl­kenn­zeich­nung muss Bay­ern vor­an­ge­hen. Eine gesetz­lich ver­pflich­ten­de Hal­tungs­kenn­zeich­nung ermög­licht Ver­brau­chern eine trans­pa­ren­te Kauf­ent­schei­dung. Stu­fe 1 des Zei­chens mit einem um 20 % erhöh­tem Platz­an­ge­bot kann dabei sicher nur ein ers­ter Schritt hin zu einer gesell­schaft­lich gewünsch­ten Tier­hal­tung sein. Die Finan­zie­rungs­vor­schlä­ge der Bor­chert-Kom­mis­si­on, u.a. mit der sog. Tier­wohl­ab­ga­be“, zei­gen einen für die Land­wir­te gang­ba­ren Weg des Umbaus auf, wenn sie ein­kom­mens­wirk­sam gestal­tet werden.

Bei den Leis­tungs­in­hal­ten des GQB-Zei­chens für tie­ri­sche Pro­duk­te ist seit dem 31.12.2012 kei­ne Anpas­sung erfolgt. Wir fin­den: die­se Anpas­sung an höhe­re Stan­dards ist überfällig.

Die Inten­siv­tier­hal­tung ist neben der Zer­stö­rung von Lebens­räu­men und Öko­sys­te­men ein wei­te­rer Hoch­ri­si­ko­fak­tor für pan­de­mi­sche Krank­hei­ten, da gro­ße Tier­hal­tungs­an­la­gen als Zucht­stät­te von Viren­er­kran­kun­gen tie­ri­schen Ursprungs gel­ten. Die aktu­el­le Hal­tung unse­rer Nutz­tie­re stellt daher eine rele­van­te Gefahr für die Aus­brei­tung von Erkran­kun­gen wie Vogel- oder Schwei­ne­grip­pe dar. Die Tie­re wer­den unter Bedin­gun­gen gehal­ten, die die gene­ti­sche oder gesund­heit­li­che Resis­tenz der Tie­re kaum noch gewähr­leis­ten. Eine gro­ße Tier­dich­te und ein hoher Durch­lauf ver­sor­gen die Viren mit stän­dig neu­en Wirts­tie­ren, was die Anste­ckungs­fä­hig­keit und Gefahr von Muta­tio­nen der Viren fördert.

Petent:

Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft, AbL-Bay­ern e.V. Unter­stüt­zer: Bund Natur­schutz Bay­ern | Green­peace | Katho­li­sche Land­volk­be­we­gung – KLB | Lan­des­bund für Vogel­schutz in Bay­ern – LBV | Mise­re­or | Nord-Süd-Forum Mün­chen | Par­ents for future ProVieh |