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Theaterlust gegen Corona-Frust

Philipp Roos am 12.11.2020

Theater Nebensache Roos info-icon-20px Roos/KLB

Gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown Light veranstalten die Katholische Landvolkbewegung, die Wochen zur Demokratie und die Vereinten Wurzelwerke mit "Nebensache" einen Theaterabend, der nach der Vorstellung seinen emotionalen Höhepunkt erlebt.

Als der Vor­hang fällt, ist da ein­fach nur Glück­se­lig­keit. Ich bin so froh, dass ich heu­te hier spie­len habe dür­fen“, sagt ein ergrif­fe­ner Ger­hard Bruck­ner und wischt sich unter tosen­dem Applaus eine Trä­ne aus dem Auge. Ja, Coro­na nagt gewal­tig an der Künst­ler­see­le von Ger­hard Bruck­ner. Heu­te aber, beim Thea­ter Neben­sa­che“ im Valen­tin-Saal, hat er end­lich ein­mal wie­der Gele­gen­heit, sein gan­zes spie­le­ri­sches Geschick und Kön­nen zu demons­trie­ren. Vor 50 Zuschau­ern, mehr hat die Stadt­ver­wal­tung nicht zuge­las­sen. Ein paar Tage spä­ter wird der Lock­down light aus­ge­ru­fen. Man hät­te noch mehr Kar­ten als 50 für das Thea­ter­stück aus­ge­ge­ben kön­nen, berich­ten die Ver­an­stal­ter: Die Katho­li­sche Land­volk­be­we­gung, die Wochen zur Demo­kra­tie und die Ver­ein­ten Wur­zel­wer­ke. Neben­sa­che“ erzählt die Geschich­te eines geschei­ter­ten Bau­ern, der nun als Land­strei­cher ein tris­tes Leben fris­tet. Was für eine per­sön­li­che Kata­stro­phe, die da pas­sier­te! Die glück­li­chen Tage lie­gen schon lan­ge zurück. Der Bau­er hat­te einen Bau­ern­hof, klein, idyl­lisch und über­schau­bar. Eine hei­le Welt. Er hat­te zwar viel Arbeit, aber er konn­te leben. Auf der Mai­dult fand er sei­ne Frau, die ihm drei Kin­der schenk­te. Das Unheil begann, als er auf Anra­ten eines bekann­ten Bau­ers­kol­le­gen auf einen Schwei­ne­mast­be­trieb umstellt. Nach und nach taten das näm­lich alle Bau­ern rund­her­um. Die Kon­kur­renz steigt, die Prei­se ver­fal­len und der Bau­er gerät in eine exis­tenz­be­dro­hen­de Lage. Wie soll er noch die Rech­nun­gen zah­len? Um die Insol­venz abzu­wen­den, muss die Bau­ers­frau zusätz­lich zu ihrer beschwer­li­chen Hof- und Erzie­hungs­ar­beit einer Neben­tä­tig­keit nach­ge­hen. Tag­ein, tag­aus fährt sie den wei­ten Weg zur Arbeits­stel­le – und kehrt irgend­wann nicht mehr zurück. Sie ver­lässt die Fami­lie und bezieht an ihrem Arbeits­ort eine Woh­nung. Anfangs blei­ben die Kin­der noch beim ihrem Vater, was sei­nen Schmerz über den Ver­lust der Ehe­frau nur mit­tel­mä­ßig lin­dert, wie ein Trost­pflas­ter. Eines Tages kommt die Mut­ter auf den Hof zurück – aller­dings nur, um die Kin­der mit­zu­neh­men. Von da an ist der Bau­er allein, ein­sam und ver­zwei­felt. Er greift immer mehr zur Fla­sche, ver­liert die Kon­trol­le über sein Leben und fackelt eines Tages im Rausch den Hof ab. Von der Ver­si­che­rung erhält er kei­nen müden Cent. Wo einst Feu­er war, da ist nur noch Asche. Des Bau­ers Exis­tenz ist in Trüm­mern. Vom alten Leben bleibt ihm ein ram­po­nier­ter Bie­nen­stock, den er mit einem Hand­kar­ren hin­ter sich her­zieht. Neben­sa­che hat kein Hap­py End.